Ausleitungsverfahren - Blutegeltherapie
Indikationen:
Venenentzündung
Krampfadern
Thrombose
Tinnitus
Furunkel und Karbunkel
Mandelabszess
Nasennebenhöhlenentzündungen
Arthritis
Kopfschmerzen
Migräne
Gallenblasenentzündung
Leberreinigung, Pfortaderhochdruck
Hämorrhoiden
nach Schlaganfall
Angina pectoris
Herpes Zoster
Hodenentzündung
Depressionen
Hypertonie
in der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie
Die Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie ist etwa 3000 Jahre alt: sie war schon im alten Ägypten und in Griechenland bekannt und zählt zu den seit der Antike praktizierten "ausleitenden Verfahren". Über Jahrhunderte hinweg breitete sie sich in das Römische Reich, in die arabische Welt sowie nach Byzanz aus. Bis ins 19. Jahrhundert hinein stand die Blutegeltherapie im Zeichen der Vier-Säfte-Lehre: eine gesteigerte Ausscheidung der Säfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle sollte den Heilungsprozess bei fieberhaften und entzündlichen Erkrankungen beschleunigen.
Unter dem Einfluss des französischen Arztes F. J. V. Broussais brach in ganz Europa ein regelrechter "Vampirismus" aus, welcher dem Ruf der Blutegel bis in die heutige Zeit schadet. Als dann auch noch das Gerücht aufkam, Egelbisse seien stimmungsaufhellend, ließen sich manche Schwermütige von bis zu 100 Egeln gleichzeitig "anzapfen" - eine Rosskur, die nicht selten tödlich endete.
Steckbrief des Blutegels:
Sein Name: Hirudo medicinalis. Er ist bei uns weitgehend ausgerottet (u.a. durch Umweltzerstörung, denn der Egel liebt saubere Gewässer) und steht deshalb unter Artenschutz. Sein 12 - 15 cm langer Körper wird von 95 Ringen unterteilt. Seine Farbe ist dunkelbraun bis schwarz und in der Mitte seines Rückens verläuft ein grünlicher Streifen. Seine Körperenden sind zu Saugnäpfen umgebildet und in seinem Schlund sitzen 3 sternförmige Kiefer, die wiederum mit jeweils bis zu 90 beweglichen Zähnchen bestückt sind. Durch die sternförmige Anordnung des Kiefers kommt der "mercedesstern-artige" Biss zustande.
Die äußerst positive Wirkung beruht auf zwei Faktoren:
Zum Einen kommt es durch das Blutsaugen zu einer lokalen Entstauung , auf den gesamten Körper bezogen entspricht dieser Blutverlust einem sehr sanften und natürlichen Aderlass (pro Egel bis zu 50 ccm!). Zum Anderen gibt der Egel während seiner "Mahlzeit" einen ganzen Wirkstoff-Cocktail, der sich in seinem Speichel befindet , in den menschlichen Organismus ab. Mehr als 13 dieser hochwirksamen Speichelkomponenten sind mittlerweile bekannt, jedoch sind das wohl noch lange nicht alle. Ihre Wirkung ist vielseitig: entzündungshemmend, gerinnungshemmend (daher die lange Nachblutung von bis zu 12 Stunden!!!), durchblutungsfördernd, antibiotisch und gefäßerweiternd, lymphstrombeschleunigend. Verhärtungen (z.B. von vorangegangenen Verletzungen) werden manchmal wieder weich und zart, ferner wirkt der Biss antithrombotisch. Die gefäßerweiternde Wirkung zeigt sich in einem blauen Hof um die Bissstelle, welcher aber auch nach ein paar Tagen wieder verschwunden ist. Nicht zu unterschätzen sind die schmerzlindernden Substanzen.
Es gibt noch viele weitere Substanzen im Speichel des Egels; die letzten Geheimnisse dazu sind noch lange nicht gelüftet. Fest steht aber, dass der Egel zu Beginn, während und gegen Ende seiner Mahlzeit jeweils andere Stoffe in seinen Wirt abgibt. Das ist auch der Grund dafür, dass man ihn nicht frühzeitig (z.B. aus Zeitgründen) entfernen soll!
(Infos aus der Homepage der Blutegelzucht von Zaug) |